Kritik an Richard David Prechts Forderung für soziales Pflichtjahr bei Rentnern
Dülmen. Dieser Vorschlag dürfte vielen Rentnern sauer aufstoßen. Nach Informationen der Bild, fordert der Deutsche Philosoph Richard David Precht (47) ein soziales Pflichtjahr für alle Rentner, die vom Krieg verschont und eine beispiellose Wirtschaftsprogression erlebt haben. Rentner sollen ehrenamtlich 15 Stunden pro Woche arbeiten. Wer das Jahr nicht leistet, müsste damit rechnen, weniger Rente zu bekommen. Mögliche Einsatzgebiete seien die Betreuung anderer Senioren, als Coach für junge Menschen oder als Deutschlehrer für Kinder mit Migrationshintergrund.
Nach jahrzehnte langer Arbeit und Einzahlung in die Rentenkasse, jetzt noch Zivi-Ersatz spielen? „Der Philosoph soll nochmal zur Schule gehen.“ Ingeborg Wittler von der christlichen Rentnergemeinschaft in Dülmen hält gar nichts von der Idee Prechts. „Das ist eine Unverschämtheit. Hat der eine dicke Geldbörse? Ich bin empört.“ Die Leute, die in den Fünfzigern geboren wurden, seien heute schon alles arme Rentner. „Ich bin gerade über 70 Jahre. Wie sollte ich denn noch was ehrenamtlich machen? Wenn das mein Sohn wäre, dem würde ich ein Satz heiße Ohren verpassen.“
Was Wittler sauer aufstößt ist die Idee eines Zwangsehrenamts. „Es sind doch die wenigstens, die mit 60 oder 70 noch fit sind. Wenn jemand in dem Alter noch gut drauf ist und man sich freiwillig engagieren möchte, ist das was anderes. Aber doch nicht unter Zwang.“ Um der Idee Prechts erst gar nicht mehr Raum zur Entfaltung zu geben, beziehen Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der Bild klare Positionen zum Thema. „Jeder, der Rente bekommt, hat dafür sein ganzes Leben hart gearbeitet und Beiträge eingezahlt“, so Schröder. Auch von der Leyen sieht keine Notwendigkeit eines Zwangsdienstes. „Millionen Rentner engagieren sich freiwillig. Das ist klasse und diese Entscheidung sollte man auch künftig bei ihnen lassen.“ Sascha Kappel