Arbeitsmarkt1Arbeitsmarkt 2011 vorgestellt / Neue Strategien zur Fachkräftesicherung


Kreis. Die Chancen für Arbeitnehmer in den Kreisen Borken und Coesfeld sind so gut wie lange nicht mehr. Das ist das Fazit der Pressekonferenz der Agentur für Arbeit Coesfeld, in dem Barbara Ossyra, Leiterin der Agentur, auf den Arbeitsmarkt 2011 zurückblickte. Üblicherweise stehen bei diesem jährlichen Termin die Arbeitslosenzahlen und Strategien zum Abbau der Menschen ohne Job im Mittelpunkt. Diesmal ist alles anders. Die Arbeitsmarktexperten beschäftigt vielmehr die Frage, wie man die heimische Wirtschaft bei der Fachkräftesicherung unterstützen kann. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar. „Unternehmen suchen weiterhin und verstärkt nach gut ausgebildetem Personal. Deshalb bleiben Fachkräfte auch im Jahr 2012 die deutlichen Gewinner auf dem Arbeitsmarkt“, so Ossyra. Da sich der Arbeitsmarkt nach der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 erstaunlich schnell erholt hat, seien nun andere Strategien für die Fachkräftesicherung nötig. Um den Fachkräftebedarf der Unternehmen auch in Zukunft zu sichern hat die Agentur für Arbeit zehn Handlungsfelder erstellt. Ziel ist es zum Beispiel Menschen über 55 Jahren und Frauen stärker ins Berufsleben zu integrieren. Auch die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland und die Erhöhung der Arbeitszeit von Vollbeschäftigten zählen zu den Strategien.

 

 

Neue Chancen ergeben sich auch für Jugendliche. Lange Zeit wurde Haupt- und Realschülern empfohlen höhere Bildungsabschlüsse zu erwerben. Das gehört erstmal der Vergangenheit an. „Wir brauchen diese Schüler eigentlich als Auszubildende“, so Ossyra. Daher rät die Agenturchefin den Absolventen der Abschlussklassen sich frühzeitig um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. „Ein weiterer Schulbesuch muss die Chancen auf den Traumberuf nicht vergrößern, denn bereits in 2013 werden durch die doppelten Abiturjahrgänge wieder deutlich mehr Bewerber auf die vorhandenen Ausbildungsstellen kommen“, macht Ossyra die Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt deutlich.

Nötig werden die neuen Strategien durch den anhaltenden Boom auf dem Arbeitsmarkt. „Wir hatten noch nie ein so gutes Jahr wie 2011“, sagt Barbara Ossyra. Die Arbeitslosigkeit in den Kreisen Borken und Coesfeld ist deutlich gesunken und die Nachfrage nach Arbeitskräften war das ganze Jahr über sehr hoch. Durchschnittlich 11.911 Menschen waren 2011 im Agenturbezirk arbeitslos. Zu Beginn des Jahres setzte sich die konjunkturelle Erholung aus dem zweiten Halbjahr 2010 fort. 2011 startete mit 13.898 Menschen ohne Arbeit. Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung, reduzierte sich diese Zahl innerhalb von sechs Monaten um 17,6 Prozent auf 11.455 Personen ohne Arbeit. Bis zum Jahresende konnte der Bestand an Arbeitslosen um insgesamt 23 Prozent auf 10.790 Personen reduziert werden. Das entspricht einer Arbeitslosenquote in den Kreisen Borken und Coesfeld von 3,5 Prozent. „Für 2012 gehe ich davon aus, dass wir uns auf einem ähnlich guten Niveau wie 2011 bewegen. Aufgrund der bereits äußerst guten Beschäftigungssituation in den Kreisen Borken und Coesfeld rechne ich allerdings nicht mit einem vergleichbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit wie im vergangenen Jahr“, so Ossyra.

Die Stellenzugänge im Agenturbezirk im Jahr 2011 spiegeln die hohe Arbeitskräftenachfrage. Dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Coesfeld wurden im letzten Jahr 14.857 Arbeitsstellen gemeldet. Das waren 2.022 oder 15,8 Prozent mehr, als in 2010. Bei 13.659 von diesen Angeboten handelte es sich um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen. Ebenfalls ein Anstieg war bei den gemeldeten Ausbildungsstellen zu verzeichnen. „Mit Blick auf den demografischen Wandel und den zukünftigen Bedarf an Fachkräften haben die Unternehmen in der Region insbesondere in punkto Ausbildung vorausschauend gehandelt“, resümiert die Leiterin der Arbeitsagentur. So wurden im Berichtsjahr 2010/2011 mit 3.792 Ausbildungsstellen 445 Offerten mehr als noch im Vorjahr gemeldet. Das ist ein Zuwachs von 13,3 Prozent.

Aie Abnahme der Arbeitslosenzahlen ist nicht nur durch einen Zuwachs an Minijobs, sondern vor allem einer Zunahme von sozialversicherungspflichtigen Jobs zu verdanken. Profitiert haben von der positiven Entwicklung alle Personengruppen. Vor allem die 15 bis unter 25-Jährigen. Ihr Bestand verringerte sich um 23,3 Prozent oder 411 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt hier nun bei 3,2 Prozent. Bei den älteren Erwerbslosen zwischen 50 und 65 Jahren reduzierte sich die Quote auf fünf Prozent. „Bereits in früheren Beschäftigungskrisen war zu beobachten, dass ältere Menschen erst zeitverzögert von einer verbesserten Arbeitsmarktlage profitieren konnten. Wir beobachten, dass diese Personen nun aber insbesondere in den Berufen, die schon einen erhöhten Fachkräftebedarf aufweisen, gute Chancen auf einen Arbeitsplatz haben“, erläutert Ossyra. Jens Ochsenfarth

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