Elterninitiative in Havixbeck wehrt sich gegen große Klassen
Havixbeck. „Biohühner haben mehr Platz als Grundschulkinder“, mit diesem Vergleich wehrt sich in Havixbeck eine Elterninitiative der Baumberge-Grundschule dagegen, dass die 117 angemeldeten i-Männchen auf lediglich vier Klassen verteilt werden sollen. Zwar hatte die Schulleitung fünf Eingangsklassen beantragt, das Schulamt wollte da nicht mit machen und genehmigte lediglich vier Klassen. Ab 120 angemeldeten Kindern wären fünf Klassen vorgeschrieben. Das ärgert die rund 90 Eltern der Initiative umso mehr. Stand heute werden drei Klassen mit je 30 Kindern und eine Klasse mit 27 Kindern einschließlich zweier integrativer Kinder gebildet. „Aus den zwei Neubaugebieten in Havixbeck könnten in nächster Zeit dann noch weitere Kinder hinzukommen“, sagt Yvonne Gibmeier von der Elterninitiative. Die Folge: Riesenklassen.
Die Front, die für die Havixbecker Schule fünf Eingangsklassen fordert ist breit. Neben der Elterninitiative haben sich auch die Schulleitung, die Lehrer und die Gemeinde Havixbeck als Schulträger für fünf Klassen ausgesprochen. Bei den zuständigen Stellen verhallt dieser Wunsch jedoch. „Es gibt keinerlei Entgegenkommen“, sagt Sylvia Prinz von der Elterninitiative. Sowohl Gespräche mit dem Kreis und dem bei der Bezirksregierung ansässigen Schulamt haben nichts gebracht. „Da heißt es nur, es sei kein Problem solche Klassen zu unterrichten“, so Prinz.
Auch beim Schulministerium ist die Elterninitiative bereits vorstellig geworden. Seit zwei Wochen versuchen die Havixbecker einen Gesprächstermin mit der Schulministerin Sylvia Löhrmann zu kriegen. Bisher erfolglos. Frei nach dem Motto „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg gehen“, will sich die Elterninitiative am 10. Juli auf den Weg nach Münster machen. Dann ist die Schulministerin in der Domstadt zu Besuch und will sich zum Thema Inklusion äußern. „Wir werden dort schon auf uns aufmerksam machen“, so Prinz. Etliche Eltern aus Havixbeck wollen Löhrmann mit Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam machen.
Ziel der Elterninitiative sind grundsätzlich kleinere Klassen für bessere Bildungschancen. „Wir wollen am liebsten, dass es für alle Grundschulen in NRW eine Absenkung der Klassengröße gibt“, sagt Yvonne Gibmeier. Dass dies möglich sei, zeige das Beispiel Rheinland-Pfalz. „Dort wurde beschlossen, dass es pro Klasse maximal 24 Kinder gibt. Das sollte auch hier machbar sein“, sagt Matthias Wesselmann von der Elterninitiative. Auch die Grünen und die SPD in NRW hätten ähnliche Zahlen in ihren Wahlprogrammen stehen. „Davon wollen sie jetzt aber nichts mehr wissen“, so Wesselmann.
„Pro Kind sind 2,50 Quadratmeter Platz vorgeschrieben. Ein Biohuhn hat Anspruch auf vier Quadratmeter“, so Matthias Wesselmann. Bei 30 Kindern hätte die Klasse also Anspruch auf einen 75 Quadratmeter großen Raum. Dies ist laut Elterninitiative in der Baumberge-Grundschule nicht gegeben. „Die Räume sind lediglich 64 Quadratmeter groß. Auch wenn die Bezirksregierung meint, hier sei ein normaler Unterricht möglich, kann man nicht einmal einen Stuhlkreis bilden“, so Sylvia Prinz. jo
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